Tei­len

Beschwer­den kön­nen Abläu­fe ver­bes­sern, wenn Beschwer­de­ma­na­ge­rin­nen und Beschwer­de­ma­na­ger nicht beim sicht­ba­ren Anlass ste­hen blei­ben, son­dern auch die betei­lig­ten Schnitt­stel­len prü­fen. Unse­re News erläu­tert die vier Blick­win­kel und ver­weist auf die ver­tie­fen­den Mate­ria­li­en im Mit­glie­der­be­reich.

Wenn Rückmeldungen Abläufe verbessern – Vier Blickwinkel für die Praxis

Eine Beschwer­de über eine lan­ge War­te­zeit klingt zunächst ein­deu­tig. Doch was hat die Situa­ti­on für Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten tat­säch­lich so belas­tend gemacht? Wur­de ein Ter­min ver­scho­ben? Fehl­te eine ver­ständ­li­che Infor­ma­ti­on? War nicht klar, wer zustän­dig ist? Oder kamen meh­re­re Fak­to­ren zusam­men?

Für das Lob- und Beschwer­de­ma­nage­ment liegt hier eine wich­ti­ge Chan­ce: Nicht beim sicht­ba­ren Anlass ste­hen blei­ben, son­dern erken­nen, was hin­ter einem Fall steckt. Wird eine Rück­mel­dung nur als „War­te­zeit“ oder „Kom­mu­ni­ka­ti­on“ erfasst, kann der Hin­weis auf einen ver­bes­se­rungs­be­dürf­ti­gen Ablauf ver­lo­ren gehen.

Mit die­ser Fra­ge haben sich die BBfG-Mit­glie­der bei ihrer Mit­glie­der­ver­samm­lung im Juni 2026 an der Medi­zi­ni­schen Hoch­schu­le Han­no­ver beschäf­tigt. Im Work­shop „Raum und Zeit Beschwer­de­de­tails“ sam­mel­ten sie kon­kre­te Beschwer­de­an­läs­se und Erfah­run­gen aus ihrem Arbeits­all­tag. Die Bei­trä­ge wur­den gemein­sam sor­tiert, ver­gli­chen und dis­ku­tiert.

Die fol­gen­de Zusam­men­fas­sung ver­dich­tet die im Work­shop gesam­mel­ten Kar­ten und Pra­xis­be­ob­ach­tun­gen. Sie ist kei­ne sta­tis­ti­sche Aus­wer­tung und kein ver­bind­li­ches Kate­go­ri­en­sys­tem. Ihr Wert liegt in den Fra­gen, die sie für die täg­li­che Arbeit mit Lob und Beschwer­den auf­wirft.

Vier Blickwinkel für die Praxis

Bei der gemein­sa­men Sor­tie­rung zeig­te sich: Vie­le Beschwer­de­an­läs­se wei­sen auf ähn­li­che The­men und Zusam­men­hän­ge hin. Ging es vor allem um Kom­mu­ni­ka­ti­on? Lag die Ursa­che in einem Ablauf oder einer unkla­ren Zustän­dig­keit? Präg­ten räum­li­che oder tech­ni­sche Bedin­gun­gen die Erfah­rung? Oder stan­den Behand­lung, Sicher­heit und Zuwen­dung im Mit­tel­punkt?

Aus die­ser Pra­xis­ar­beit kris­tal­li­sier­ten sich vier Blick­win­kel her­aus:

Kom­mu­ni­ka­ti­on. Ver­ständ­lich­keit, respekt­vol­ler Umgang, Infor­ma­ti­on für Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten sowie Ange­hö­ri­ge, Daten­schutz, Erreich­bar­keit und digi­ta­le Kanä­le gehö­ren in die­ses Feld. Es geht dar­um, ob Infor­ma­tio­nen recht­zei­tig ankom­men, ver­ständ­lich sind und Men­schen sich ernst genom­men füh­len.

Orga­ni­sa­ti­on. Auf­nah­me, Ent­las­sung, War­te­zei­ten, Ter­mi­ne, Ver­le­gun­gen, Ser­vice­pro­zes­se und Schnitt­stel­len prä­gen die Erfah­rung in einer Ein­rich­tung. Beschwer­den zei­gen oft, wo Abläu­fe nicht nach­voll­zieh­bar sind oder Ver­ant­wort­lich­kei­ten zwi­schen Berei­chen ver­lo­ren gehen.

Aus­stat­tung und Infra­struk­tur. Ori­en­tie­rung, Bar­rie­re­frei­heit, Pati­en­ten­zim­mer, Auf­ent­halts­qua­li­tät, Lärm­schutz, WLAN, Park­mög­lich­kei­ten und Wege­lei­tung sind mehr als Kom­fort­the­men. Sie kön­nen dar­über ent­schei­den, ob sich Men­schen sicher, infor­miert und gut beglei­tet füh­len.

Fach­li­che Leis­tung. Behand­lung, Pfle­ge, The­ra­pie, Auf­klä­rung, Doku­men­ta­ti­on, Pati­en­ten­si­cher­heit, Nach­sor­ge und psy­cho­so­zia­le Unter­stüt­zung gehö­ren zusam­men, wenn es um die wahr­ge­nom­me­ne Qua­li­tät der Ver­sor­gung geht.

Die vier Blick­win­kel sind kei­ne Schub­la­den, in die ein Fall mög­lichst schnell ein­ge­ord­net wer­den soll. Ihr Wert liegt dar­in, Zusam­men­hän­ge sicht­bar zu machen. Eine Rück­mel­dung über eine War­te­zeit kann ihren Aus­gangs­punkt in der Orga­ni­sa­ti­on haben. Bei der genaue­ren Betrach­tung kann jedoch deut­lich wer­den, dass zusätz­lich Infor­ma­tio­nen fehl­ten, Zustän­dig­kei­ten unklar waren oder die Situa­ti­on für Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten unnö­tig belas­tend war.

Was das für Lob- und Beschwerdemanagement bedeutet

Statt nur zu fra­gen „Wel­cher Bereich ist zustän­dig?“, kann das Lob- und Beschwer­de­ma­nage­ment mit den betei­lig­ten Stel­len genau­er hin­schau­en: Was ist kon­kret gesche­hen? Wel­che Fak­to­ren haben die Erfah­rung geprägt? Wo liegt die ent­schei­den­de Schnitt­stel­le? Wer muss an der Klä­rung und an einer mög­li­chen Ver­än­de­rung betei­ligt sein?

So kann aus einer ein­zel­nen Beschwer­de ein Impuls für kla­re­re Infor­ma­tio­nen, ver­läss­li­che­re Zustän­dig­kei­ten oder bes­se­re Abläu­fe wer­den. Wie­der­keh­ren­de The­men kön­nen in der Aus­wer­tung sys­te­ma­tisch sicht­bar wer­den und gemein­sam mit Pfle­ge, Medi­zin, Ver­wal­tung, Qua­li­täts­ma­nage­ment und Lei­tung bear­bei­tet wer­den.

Die vier Blick­win­kel las­sen sich auch auf posi­ti­ve Rück­mel­dun­gen über­tra­gen. Lob kann zei­gen, wo kla­re Kom­mu­ni­ka­ti­on, gute Zusam­men­ar­beit, Ori­en­tie­rung oder beson­de­re Zuwen­dung bereits wirk­sam erlebt wer­den. Damit wird sicht­bar, was bewahrt und auf ande­re Berei­che über­tra­gen wer­den kann.

Die vollständigen Ergebnisse für Mitglieder

Die aus­führ­li­che Doku­men­ta­ti­on im BBfG-Mit­glie­der­be­reich zeigt die vier Blick­win­kel mit ihren ver­dich­te­ten Ein­zel­the­men und bie­tet eine kom­pak­te Über­sicht für die eige­ne Pra­xis. Sie eig­net sich als Impuls für Fall­be­spre­chun­gen, inter­ne Aus­wer­tun­gen und den Aus­tausch mit den betei­lig­ten Fach­be­rei­chen.

BBfG-Mit­glie­der fin­den dort die voll­stän­di­gen Work­shop-Ergeb­nis­se und kön­nen die Anre­gun­gen für ihre eige­ne Beschwer­de­be­ar­bei­tung wei­ter­den­ken.

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