Mediative Techniken für Beschwerdemanagerinnen und Beschwerdemanager
Wie funktioniert Mediation im Gesundheitskontext
Tagesseminar
Immer dort, wo Menschen aufeinandertreffen, können Unstimmigkeiten, Missverständnisse oder Konflikte entstehen. Im Gesundheitswesen gilt dies in besonderer Weise: Patientinnen und Patienten sowie ihre Angehörigen befinden sich häufig in einer belastenden Ausnahmesituation. Krankheit, Unsicherheit, Angst, Kontrollverlust oder Sorge um die weitere Versorgung können das Erleben und Verhalten stark beeinflussen. Gefühle wie Wut, Angst, Trauer oder Hilflosigkeit werden dann nicht selten als Beschwerde, Vorwurf oder Konflikt sichtbar.
Gerade deshalb braucht es im Beschwerdemanagement eine professionelle, zugewandte und zugleich klar strukturierte Gesprächsführung. Beschwerden und Konflikte sollten nicht vorschnell bewertet, sondern ernst genommen, eingeordnet und angemessen bearbeitet werden. Mediation kann hierfür ein wertvoller Ansatz sein: Sie hilft, unterschiedliche Sichtweisen sichtbar zu machen, Verständnis zu ermöglichen und Konfliktparteien wieder in ein konstruktives Gespräch zu bringen.
Eine besondere fachliche Grundlage erhält dieses Seminar durch die Expertise von Dr. med. Heinz Pilartz. Als Arzt für Allgemeinmedizin und zertifizierter Mediator verbindet er medizinische Erfahrung, mediative Kompetenz und ein tiefes Verständnis für die besonderen Belastungssituationen im Gesundheitswesen. In seinem Fachbeitrag „Verständnis für alle Beteiligten – Die schwierige Aufgabe der Beschwerdemanagerinnen und Beschwerdemanager“ beschreibt er eindrücklich, wie anspruchsvoll diese Rolle ist: Beschwerdemanagerinnen und Beschwerdemanager bewegen sich häufig zwischen den Erwartungen von Patientinnen und Patienten, Angehörigen, Mitarbeitenden und Institutionen. Sie müssen zuhören, einordnen, vermitteln, deeskalieren und zugleich die Grenzen ihrer Rolle kennen.
Das Tagesseminar greift diese fachliche Perspektive praktisch auf. Es führt in die Grundlagen der Mediation ein, vermittelt zentrale Kommunikations- und Deeskalationstechniken und nimmt die besonderen Herausforderungen im Kontext von Krankheit, Klinikalltag und institutionellen Hierarchien in den Blick. Ein Schwerpunkt liegt auf der wichtigen Unterscheidung zwischen Beschwerde und Konflikt: Nicht jede Beschwerde ist bereits ein Konflikt – und nicht jeder Konflikt lässt sich mit den gleichen Mitteln bearbeiten.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden mit den Prinzipien und Phasen der Mediation vertraut gemacht. Dabei handelt es sich ausdrücklich nicht um eine Mediationsausbildung, sondern um eine praxisorientierte Einführung für das Beschwerdemanagement im Gesundheitswesen. Anhand von Fallbeispielen, Rollenspielen und Reflexionen werden Gesprächssituationen trainiert, die im Klinikalltag besonders relevant sind: der Umgang mit Emotionen, wertschätzende Kommunikation, aktives Zuhören, Rollenklarheit, Deeskalation sowie die Frage, wann Mediation hilfreich sein kann – und wo ihre Grenzen liegen.
Ziel des Seminars ist es, Beschwerdemanagerinnen und Beschwerdemanager darin zu stärken, Beschwerden und Konflikte im Gesundheitskontext professionell, allparteilich und lösungsorientiert zu begleiten. Im Mittelpunkt steht dabei eine Haltung, die Verständnis für alle Beteiligten ermöglicht – ohne die notwendige Klarheit in der Rolle und im Verfahren zu verlieren.
Inhalte der Seminars:
Begrüßung
Vorstellung der Tagesagenda
Einführung in das Thema
Abfrage, ob konkrete Fälle zur Besprechung mitgebracht wurden
Prinzipien der Mediation
Phasen der Mediation
- Werkzeuge der Mediation:
aktives Zuhören, GFK und wertschätzende Kommunikation, Umgang mit Emotionen… - was bedeutet Beschwerde, was bedeutet Konflikt. Welche Bedürfnisse und Psychodynamiken
veranlassen Patienten und Angehörige zu ihrem Verhalten - Mediation praktisch
- Haltung der Mediatoren
Praktische Übungen an vorbereiteten Fallbeispielen (mit „Spickzettel“)
Besonderheiten
im Feld Gesundheit
- Krankheitskonzepte
- Krankheit wirkt potentiell konflikthaft
- hierarchische bzw psychologische Konsequenzen aus krankheitsbedingter Rollenunklarheit
- Verknüpfung der Tätigkeit der BeschwerdemanagerInnen mit der Gesundheitsdefinition nach WHO
Praktische Erfahrungen an vorgegebenen Fällen
Besonderheiten
Institution
Gesundheit
- Umgang mit Hierarchien
- Bedürfniskommunikation bei Rangunterschieden
- Deeskalationsmanagement bei Empörung und Hilflosigkeit
- Unterstützung der Multiprofessionalität in Kliniken
Besonderheiten
Beschwerdemanagement
- Rollenklarheit
- Austausch über die Struktur der Gesprächsabläufe
- Dokumentation
- Grenzen der Möglichkeit (psych. Krankheit, Gewaltandrohung, berufliche Sanktionen,…)
bei Bedarf Supervision — Intervision
Allgemeine Informationen
Ort
Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln e. V.
Georgstraße 7
50676 Köln
Referent
Dr. med. Heinz Pilartz
Arzt für Allgemeinmedizin und zertifizierter Mediator
nächster Termin
Mittwoch, 25. November 2026
Tagesseminar
(Vormittag/Nachmittag; die genaue Seminarzeit wird bekannt gegeben)
Anmeldeschluss ist Montag, der 16. November 2026
⇒ Anmeldung
bitte per Mail an info@bbfg-ev.de
Kosten
- Für Unternehmensmitglieder, Ehrenmitglieder und Fördermitglieder des BBfG kostenfrei
- Für Personenmitglieder des BBfG 150,- EUR
- Für Nichtmitglieder 300,- EUR

